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 Hobrechtsfelde im Aufbruch

Die ländliche Ruhe in Hobrechtsfelde wird in diesen Tagen von Baugeräuschen unterbrochen. Seit Anfang 2010 ist die Berliner Wohnungsbaugenos- senschaft „Bremer Höhe“ eG neue Eigentümerin des denkmalgeschützten Ortes und hat nun mit der Umsetzung ihrer Pläne begonnen.

Das Straßendorf, in dem 170 Einwohner leben, war bisher vor allem durch den historischen Rieselspeicher und den Hochseilklettergarten bekannt. Weit gehend unsanierte Häuser und einige leer stehende Gebäude prägen das Bild des landschaftlich reizvoll gelegenen Ortes, der zur Gemeinde Panketal gehört. Doch in absehbarer Zeit wird wieder mehr Leben einziehen: Sämtliche Gebäude werden saniert, ein Passivhaus mit neun Wohnungen, ein Restaurant mit Pension und Kulturveranstaltungen sind geplant. Die künftige Energieversorgung soll vor allem über erneuerbare Energiequellen erfolgen. Auch Arbeitsplätze soll es wieder geben.

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand das Stadtgut Hobrechtsfelde als eine der modernsten landwirtschaftlichen Produktionsstätten der Stadt Berlin. Gelegen auf dem nordöstlichen Teil der Berliner Rieselfelder, versorgte es vorrangig die Krankenhausstadt Buch mit Milch und Fleisch. Neben einer Molkerei, einem Fleisch- und einem Sägewerk wurde ein sechstöckiger Zentralkornspeicher für die nördlichen Güter errichtet. In unmittelbarer Nähe zum Gut wurden Mehrfamilienhäuser mit Gärten und Stallungen, ein Arbeiterwohnheim, Unterkünfte für Saisonkräfte, ein Gemeinschaftshaus mit Festsaal und eine Schule errichtet.

Bis zur Wende 1990 dauerte die landwirtschaftliche Produktion an, dann wurde das 800 Meter lange Straßendorf nach und nach zum reinen Wohnort, auch der ehemalige Konsum schloss. Es gab etliche Investorenideen die nie realisiert wurden. Mit dem Flächennutzungsplan von 1997 wurde ein möglicher Wohnungsbau in Hobrechtsfelde und die damit verbundene Entwicklung der Infrastruktur zu den Akten gelegt. Im selben Jahr wehrten sich die Bewohner gemeinsam mit den Zepernickern erfolgreich gegen den Bau einer Justizanstalt in Hobrechtsfelde. Schließlich erwarb die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GesoBau das denkmalgeschützte Ensemble, nahm jedoch kaum Investitionen vor. Als die GesoBau die Häuser 2006 verkaufen wollte, bildete sich eine Genossenschaft von Hobrechtsfeldern, die die Häuser und Grundstücke selbst erwerben wollten. Dies scheiterte jedoch. „Es mangelte letztlich an Eigenkapital“, erläutert Ulf Heitmann, Vorstand der Berliner Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) „Bremer Höhe“ eG, der damals die Gründungswilligen beriet.

Um den Genossenschaftsgedanken nicht aufgeben zu müssen, erarbeiteten die WBG „Hobrechtsfelde“ eG und die WBG „Bremer Höhe“ eG Ende 2008 gemeinsam Positionen für einen Erwerb Hobrechtsfeldes durch die „Bremer Höhe“ – mit Erfolg. „Wir haben 24 Wohngebäude mit Flächen von 50 bis 850 Quadratmetern und das Gemeinschaftshaus mit ca. 1.600 Quadratmetern erworben. In den nächsten fünf bis sechs Jahren werden wir 7 bis 8 Millionen Euro investieren, um das Dorf behutsam zu erneuern“, so Ulf Heitmann.

Zu den ersten Baumaßnahmen gehörte die Sicherung des ehemaligen Wohnheims und des Gemeinschaftshauses, die jahrelang leer standen und massiv von Holzschädlingen befallen waren. „Es ist ein Wunder, dass das Tanzparkett im Festsaal noch intakt ist“, meint Vorstand Heitmann. „Der Saal ist berühmt für seine Akustik, hier hat schon Frank Schöbel geprobt.“

Allein der Ausbau und die Sanierung des Gemeinschaftshauses werden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt. Derzeit laufen Verhandlungen mit potenziellen Betreibern für das geplante Restaurant und die Pension, die etwa 40 Betten haben soll. Überlegt wird, eine Sauna und Wellnessangebote zu integrieren. „Allein der Saal ist prädestiniert als Anziehungspunkt“, ist sich Ulf Heitmann sicher. Tanzveranstaltungen, Chorlager, Familienfeiern, Probebühne für junge Bands – die Liste der vorstellbaren Nutzungen ist lang.

Die Investitionen in Hobrechtsfelde sollen wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig sein. Experten haben im Auftrag des Landkreises Barnim analysiert, inwieweit die Strom- und Wärmeversorgung von Hobrechtsfelde durch erneuerbare Energien erfolgen kann. Die Vorzugsvariante wäre eine Roh-Biogas-Leitung zu einer Biogasanlage in Schönerlinde, die in etwa 4,5 km Entfernung errichtet wird. „Damit ließe sich eine Vollversorgung mit Wärme und Strom verwirklichen“, so Ulf Heitmann, „und Hobrechtsfelde könnte ‘nachhaltiges Energiedorf‘ werden.“ Doch dieses Vorhaben ist nicht leicht umzusetzen. Auflagen vom Naturschutz, von den Ländern Berlin und Brandenburg müsste Rechnung getragen, eine Bahntrasse und die Bundesstraße 109 müssten überwunden werden. Verbunden mit einem Planfeststellungsverfahren, wäre eine Realisierung frühestens 2017 möglich.

Eine wirtschaftliche Lösung für die Stromerzeugung mittels Windkraft - oder Photovoltaik-Anlagen ließ sich nicht finden; fast alle Häuser sind Denkmäler und die Dächer für Photovoltaik-Aufbauten tabu. Dagegen könnte eine kostengünstige zentrale Holzschnitzelverbrennungsanlage bis zu 75 Prozent der Haushalte mit Wärme versorgen. Ökologisch sinnvoll und umsetzbar wäre auch die Reinigung der Hobrechtsfelder Abwässer direkt vor Ort in fünf gemeinschaftlich genutzten Pflanzenkläranlagen, aus denen das geklärte Wasser in die Natur zurückgeführt werden könnte.

Der Denkmalschutz beschränkt auch die notwendige Dämmung der Fassaden: „Lediglich 4 cm Dämmung wurden zugestanden. Insbesondere bei den vier denkmalgeschützten Häusern, die 1954 entstanden sind, wird dies kaum genügen“, sagt Ulf Heitmann.

Im Moment laufen Bauanträge für zwei Häuer und das Arbeiterwohnheim, die Sanierung eines Hauses mit vier Wohnungen wird demnächst abgeschlossen sein. Das Arbeiterwohnheim soll im Frühjahr 2011 fertig gestellt sein und Umsetzwohnungen bereithalten. „Nach unseren Erfahrungen ist es für alle Beteiligten das Beste, wenn die Sanierungsobjekte unbewohnt sind. Wir übernehmen die Kosten für den Umzug und helfen auch,“ erläutert der Genossenschaftsvorstand.

Zum Sanierungsplan gehören unter anderem neue Dächer, Holzfenster mit historischer Profilierung, der Nachbau von Fensterläden und die Dämmung der Fassaden. Anschließend werden die Nettokaltmieten etwa bei 5 Euro liegen. Garten und Pkw-Stellplätze können kostenlos genutzt werden. Lediglich in den neuen Wohnungen im Passivhaus werden sich die Nettokaltmieten auf acht bis neun Euro belaufen.

„Es ist zu spüren, dass unsere Pläne willkommen sind. Dazu trägt sicherlich bei, dass wir nur die nötigsten Sanierungen durchführen“, sagt Ulf Heitmann. Ein Wandel zeichnet sich in dem kleinen Ort unweit der Grenze zu Berlin schon länger ab. Junge Leute sind zugezogen, ein Waldkindergarten wurde gegründet und neben dem Hochseilklettergarten, der auch Sommerkino im Freien bietet, hat sich ein Reiterhof etabliert. Auch für das Wahrzeichen von Hobrechtsfelde – den Speicher – gibt es Pläne im Rahmen eines Bundesprojekts. Er soll als Informationszentrum zur Rieselfeldlandschaft dienen und eine Aussichtsplattform erhalten.

Foto Startseite: Getreidespeicher, im Vordergrund Ponys von "Müllers Reithof"
Foto oben: Wohnhaus, in dem früher Arbeiter des Stadtgutes lebten
Foto unten: Blick in den Festsaal des Gemeinschaftshauses; die Bühne musste wegen Schäden entfernt werden und wird völlig neu gebaut


 www.bremer-hoehe.de
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