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Dr. Jens Peter von Kries
Wissenschaftlicher Leiter der Screening Unit am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)

Innovative Wirkstoffsuche im Hochdurchsatzverfahren

Die Jalousien der bodentiefen Fenster des Büros von Dr. von Kries verdecken leicht den Blick auf die nahen Baumkronen. An diesem heißen Tag wird die dunkle, geschwungene Fassade des Labors für medizinische Genomforschung automatisch vor Sonnenlicht geschützt. Der Biologe Dr. Jens Peter von Kries, 50, arbeitet seit 1995 als Wissenschaftler auf dem Campus Berlin-Buch. Die Tür zu seinem Büro steht offen, Kollegen kommen mit Fragen, das Telefon steht nicht still. Trotzdem findet er die Ruhe für ein Interview.
Dr. Jens Peter von Kries
Die Screening-Unit des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie leitet er seit knapp sieben Jahren. Zuvor war er wissenschaftlicher Assistent in der Arbeitsgruppe von Professor Walter Birchmeier am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin Berlin-Buch (MDC) und beschäftigte sich mit Mechanismen der Entstehung von Krebserkrankungen.

Dem Hamburger war früh klar, welche berufliche Richtung er einschlagen wollte: „Ich wollte Biologie studieren und dazu beitragen, die Umwelt zu erhalten und Umweltkatastrophen entgegen zu wirken.“ Obwohl das Fach Biologie an der Universität Hamburg hoffnungslos überlaufen war, nahm er dort sein Studium auf. Er spezialisierte sich auf Mikrobiologie und Biochemie und konnte 1987 seine berufliche Karriere in der Grundlagenforschung am Institut für Physiologische Chemie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) beginnen. Nach Berlin wechselte er unter anderem, weil er kaum Entwicklungsmöglichkeiten am UKE-Institut sah. „Ich hatte auf Konferenzen Industriekontakte geknüpft und die Möglichkeit eröffnet, Fördergelder für Projekte unseres Instituts zu erhalten, aber dort stieß ich auf Widerstand“, beschreibt von Kries.

Dr. Jens Peter von Kries Ein Intermezzo in der beruflichen Laufbahn brachte eigentlich die entscheidende Voraussetzung für seine heutige Position: 2001 baute er in einem jungen Pharmazieunternehmen ein Labor für Wirkstoffsuche im Hochdurchsatz auf. Als Professor Walther Rosenthal 2003 ein solches Labor am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie einrichten wollte, bewarb sich von Kries erfolgreich. Ein Jahr wohnte und arbeitete er als Gastwissenschaftler auf dem Campus Berlin-Buch, während er den Aufbau der Screening-Unit begann. „Das war eine intensive Zeit“, erinnert sich von Kries. Gerade Vater geworden, pendelte er jedes Wochenende zwischen Berlin und Hamburg, um bei seiner Familie sein zu können. Dies änderte sich, als er eine feste Anstellung erhielt. Seitdem lebt er mit seiner Frau und seinen, mittlerweile zwei Kindern in der Nähe von Buch. „Ich habe damals Berlin oft mit dem Fahrrad erkundet. Wohnen wollte ich auf alle Fälle im Grünen.“

Die Screening-Unit, die von Kries aus der Taufe gehoben hat, ist heute eines der wichtigsten Werkzeuge des Instituts zur Aufklärung von Struktur, Funktion und Interaktionen von Proteinen. Wenn die Forscher ein Protein gefunden haben, das bei einem Krankheitsprozess eine entscheidende Rolle spielt, suchen sie nach kleinen bioaktiven Molekülen, die die Aktivität des Proteins hemmen oder verstärken. Als molekulare „Schalter“ ermöglichen diese kleinen Moleküle das Verständnis komplexer biologischer Vorgänge und können manchmal auch zu Medikamenten weiterentwickelt werden. Diese Suche technologisch zu ermöglichen und zu optimieren, ist die Aufgabe der Screening-Unit.

„Wir haben anfangs zu zweit Testsysteme entwickelt und erst einmal gelernt, mit einem sehr komplexen Pipettierroboter umzugehen“, so von Kries. Auch die Bibliothek mit potenziellen Wirkstoffen musste sorgfältig ausgewählt werden. Heute besteht sein Team aus zehn Mitarbeitern, und das Labor verfügt über einzigartige Hochdurchsatz-Screening-Technologien, die mit einem automatisierten Mikroskop, Kapillar-Elektrophorese (Lab-on-a-chip) und AlphaScreen-Technologie* arbeiten. Bis zu 40.000 Testreaktionen können mit Hilfe der Pipettierroboter in weniger als drei Tagen durchgeführt werden. „Die Geräte sind sehr kostspielig, und auch die Screenings können teuer sein. Hier kommt es auf jeden Einzelnen im Team an, ein Fehler kann zu hohen Zeit- und Geldverlusten führen“, sagt von Kries.

Dr. von Kries und seine Mitarbeiter haben ein Novum im Screening-Prozess etabliert: Es ist ihnen gelungen, erstmals Zellkulturen in das Screening zu integrieren. Den gesamten Zellkulturprozess einschließlich der Mikroskopie der Zellen und der Verarbeitung der Mikroskopbilder haben die Wissenschaftlern automatisiert: „Über Fluoreszenzbilder können wir sofort sehen, ob ein Wirkstoff überhaupt den Weg in die Zelle findet und mit welchen Zellkomponenten er wechselwirkt“, erläutert von Kries begeistert. „Diese Anlage ist in der Form, wie sie hier steht, einzigartig.“ Darüber hinaus entwickelte das Team automatische Datensammlungs- und Auswertungsroutinen, die das Screening erheblich beschleunigten.

Als offene akademische Plattform gehört die Screening-Unit zu den wenigen in Deutschland, die für Forschungsprojekte aus Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zur Verfügung stehen. Je nach Bedarf erhalten die externen Forscher professionelle Unterstützung beim Screening, Testmethoden werden gemeinsam erarbeitet. Das Labor hat auch international einen hervorragenden Ruf; Forscher aus Yale (USA), Oxford und Cambridge (UK), Oslo und Göteborg arbeiteten mit der Screening-Unit in Berlin-Buch.

Dr. von Kries forscht aber auch selbst. So gelang es seinen Wissenschaftlern, einen Wirkstoff zu finden, der ein wichtiges Enzym von Tuberkulosebakterien blockiert. Weiterhin untersuchten sie Enzyme, die an einem Signalweg beteiligt sind, der für die Metastasierung bekannt ist: „Wir haben den Prozess der Zellkultur in einem Modell nachgestellt und konnten zeigen, dass die Zellen nicht mehr aus den Kolonien auswandern können, wenn sie mit diesen Wirkstoffen konfrontiert werden.“

Derzeit steht das FMP vor der anspruchsvollen Aufgabe, einen europaweiten Zusammenschluss von Screening-Plattformen im Rahmen der Initiative „EU-OPENSCREEN“ zu koordinieren und Standards für den Austausch von Forschungsergebnissen zu entwickeln.

„Die Arbeit unseres Teams wird geschätzt“, sagt Dr. von Kries, „und das ist wirklich eine tolle Mannschaft“. Für die Zukunft wünscht er sich, dass zeitlich begrenzte Arbeitsverträge für engagierte und talentierte Wissenschaftler seines Teams die Ausnahme bilden.

*Hochempfindliche Methode zur Messung von Proteinwechselwirkung mittels Plattenphotometer unter Einsatz eines Lasers

www.fmp-berlin.de
An dieser Stelle finden Sie Porträts von Bucher Persönlichkeiten und Einrichtungen, die wir Ihnen vorstellen möchten.
Lesen Sie in unserem Archiv die Porträts der vergangenen Monate nach:
Persönlichkeiten:
Einrichtungen:
Juni 2010:
Dr. Jens Peter von Kries
Wissenschaftlicher Leiter der Screening Unit am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) weiter
März 2010:
Hans-Dieter Ungewitter
Geschäftsführer des Autozentrums H.D.U. weiter
Oktober 2009:
Tina Walter
Praxis für Logopädie und Ergotherapie Tina Walter weiter
Mai 2009:
Steffen Hoch
Heimleiter des RENAFAN ServiceLebens LudwigPark weiter
März 2008:
Jörg-Peter Malke
 weiter
August 2007:
Dr. Uwe Möller
Geschäftsführer emp Biotech GmbH weiter
Juni 2007:
Dr. Iduna Fichtner
Arbeitsgruppenleiterin am MDC und Mitinhaberin der Firma Experimentelle Pharmakologie & Onkologie weiter
April 2007:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Friedrich C. Luft
Leiter der Klinik für Nephrologie und Hypertensiologie an der der Franz-Volhard-Klinik weiter
Februar 2007:
Thomas Maeder
Mensaleiter auf dem Campus Berlin-Buch weiter
Dezember 2006:
Gauss-Gymnasium
Frau Dr. Stäbe-Wegemund, Direktorin weiter
Oktober 2006:
Peter Scholz
Projektmanager der Schlossparkpassage weiter
August 2006:
Michael Kowarsch
Buchladen in Buch weiter
Juni 2006:
Volker Spiegel
Geschäftsführer der L.O.S. Low Oxygen Systems GmbH weiter
April 2006:
Peter Mandelkow
 weiter
Februar 2006:
Matthias Berghahn
Filialleiter der Berliner Sparkasse in Buch weiter
Dezember 2005:
Dr. Susanne Christ
Allgemein- und Betriebsärztin weiter
Oktober 2005:
Dr. Stefan Schwartze
Administrativer Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) weiter
August 2005:
Christel Hildenbrand
Schulleiterin der Hufeland-Oberschule weiter
Juni 2005:
Priv.-Doz. Dr. Monika Schöntube
Chefärztin der II. Kinderklinik Berlin-Buch weiter
April 2005:
Prof. Dr. Dr. h.c. Peter M. Schlag
Ärztlicher Direktor der Robert-Rössle-Klinik weiter
Februar 2005:
Dr. Peter Bendzko
Unternehmensgründer und Geschäftsführer der Invitek Gesellschaft für Biotechnik & Biodesign mbH weiter
Dezember 2004:
Kristiane Spitz
Chefredakteurin des Bucher Boten weiter
Oktober 2004:
Dr. Andreas Eckert
Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler Medizintechnik AG weiter
August 2004:
Dipl.-Ing. Andraes Heuer
Leiter des Heizkraftwerks Buch weiter
Juni 2004:
Dr. Ulrich Scheller
Leiter Gläsernes Labor weiter
April 2004:
Michael Friedrichs-Friedlaender und Aleksandra Koneva
Künstler am Künstlerhof Buch weiter
Februar 2004:
Prof. Jürgen Lichey
Chefarzt des Fachkrankenhauses für Lungenheilkunde und Thoraxchirurgie weiter
Dezember 2003:
Prof. Erika Gromnica-Ihle
Chefärztin der Rheumaklinik Berlin-Buch weiter
Oktober 2003:
Prof. Dr. med. Jörg Schulz
Ärztlicher Leiter des Klinikums Buch im HELIOS Klinikum Berlin weiter
Februar 2010:
Erste Wohnungsgenossenschaft Berlin-Pankow eG
 weiter
September 2009:
UKB Denkmal AG
 weiter
Juli 2009:
HELIOS Elternschule „Haus Kugelrund“
 weiter
Mai 2008:
Praxis für Physiotherapie Kristin Auert
 weiter
April 2008:
Reiterhof Klopsteg
 weiter
Februar 2008:
Grundschule Am Sandhaus
 weiter
Dezember 2007:
Bucher Kinderklub "Würfel"
 weiter
Oktober 2007:
BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch
 weiter
September 2007:
"Bucher Wetterfrösche"
Abt. Hydrometeorologie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiter
Juli 2007:
SV Berlin-Buch
Abteilung Kraftsport weiter
Mai 2007:
Topp und Flott
Schuh- und Schlüsseldienst weiter
März 2007:
Freiwillige Feuerwehr Buch
Sie löschen Bucher Brände ehrenamtlich weiter
Januar 2007:
Paritätisches Seniorenwohnen am Rosengarten
 weiter
November 2006:
Biosyntan Gesellschaft für bioorganische Synthese mbH
 weiter
September 2006:
Physiotherapie der Rheumaklinik Berlin-Buch
 weiter
Juli 2006:
InnoRegio Berlin-Buch
 weiter
Mai 2006:
Heinz Hammer GmbH, Mercedes-Benz-Vertragswerkstatt
 weiter
März 2006:
Kulturverein Moldova e.V.
 weiter
Januar 2006:
OTB Orthopädie-Technik Berlin GmbH
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November 2005:
Praxis für Nieren- und Hochdruckkrankheiten mit ambulanter Dialyse
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September 2005:
Technisches Hilfswerk, Ortsverband Pankow
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Juli 2005:
rennesens GmbH
 weiter
Mai 2005:
Marianne-Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte
 weiter
Januar 2005:
Bucher Bürgerverein e.V.
 weiter
November 2004:
THURN Alpintechnik
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September 2004:
Stadtteilbibliothek Berlin-Buch
 weiter
Juli 2004:
NMR-Häuser auf dem Campus Berlin-Buch
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Mai 2004:
Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen Berlin-Brandenburg e.V.
 weiter
März 2004:
Tumorzentrum Berlin-Buch
 weiter
Januar 2004:
Hunde für Handicaps e.V.
 weiter
November 2003:
Waldschule im Bucher Forst
 weiter
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