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19.02.10
Neue Pläne, neue Wege, neue Häuser

In den nächsten acht bis zehn Jahren wird der Wissenschafts- und Biotechnologie-Campus Berlin-Buch in erheblichem Umfang baulich erweitert. Neue Institute, Labore, ein Tierhaus und Gebäude für Unternehmen werden entstehen. Technologische Plattformen bedürfen der Erweiterung. Insbesondere die Infrastruktur des nördlichen Areals muss angepasst und erneuert werden. Das sich verändernde räumliche Gefüge erfordert neue Wegebeziehungen und Überlegungen, wie die Kommunikation zwischen den Akteuren auf dem gesamten Campus gefördert werden kann.

Bauvorhaben im nördlichen Campusbereich

Der erste Schritt zur Campuserweiterung erfolgte bereits mit dem Neubau der Forschungsanlage für Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Bildgebung, die im Januar 2009 eingeweiht wurde. Die Anlage ist eine von drei Komponenten des „Experimental and Clinical Research Centers“ (ECRC), welches das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité - Universitätsmedizin seit 2007 gemeinsam betreiben. Das ECRC hat zum Ziel, die Ergebnisse der molekularen Forschung für die Verbesserung der Diagnose, Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs sowie neurologischen Erkrankungen zu nutzen. Die Forschungsanlage, die mit einem der weltweit stärksten Magnet-Resonanz-Tomografen (MRT) für Untersuchungen am Menschen, einem 7-Tesla-Gerät, und einem 9,4-Tesla-Gerät für Tieruntersuchungen ausgestattet ist, wurde 2009 um ein Stockwerk erhöht, um dort zudem ein klinisches 3-Tesla-Gerät zu installieren. Im nördlichen Teil des Campus gelegen, eröffnet das MRT-Gebäude ein neues Forschungsquartier (sogenannter Nord-Campus).

In unmittelbarer Nähe zum MRT-Gebäude wird ab März 2010 bis 2012 das neue Laborgebäude für die experimentelle Forschung (ERC) des ECRC entstehen. In dieses Gebäude investiert das MDC etwa 19 Millionen Euro. Grundlagenwissenschaftler und Kliniker werden im ERC in so genannten Schnittstellenlaboren an gemeinsamen Projekten arbeiten. Bei der Planung des Gebäudes wurde besonderer Wert auf hohe räumliche Flexibilität, eine effiziente Energienutzung und die Schaffung von Kommunikationsbereichen gelegt. „Auf jeder Etage finden sich offene Bereiche, in denen man sich begegnen und austauschen kann“, erläutert Architekt Ralf Streckwall, der von Seiten des MDC für die technische Infrastruktur und die bauliche Entwicklung des Campus verantwortlich ist.

Die dritte Komponente des ECRC mit Laboren, Hochschulambulanzen und Probandenbetten befindet sich im Forschungshaus der Charité (ehemalige Robert-Rössle-Klinik oder CRC). Die Charité hat der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Pläne für die Ertüchtigung von 5220 m² Nutzfläche für die klinische Forschung vorgelegt. Das entsprechende Raumprogramm sieht Labor- und Büroflächen, Räume für die patientennahe Forschung und bis zu fünf Hochschulambulanzen vor.

Die Strukturen für die klinische Forschung im ECRC sind zudem wesentlich für den Aufbau der Helmholtz-Kohorte, an der sich das MDC, die Charité, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und das Robert-Koch-Institut (RKI) beteiligen. In dieser Studie soll die gesundheitliche Entwicklung vieler Menschen über Jahre hinweg beobachtet werden, um neue Erkenntnisse über Krankheitsursachen und Präventionsmöglichkeiten zu gewinnen. Insgesamt sollen deutschlandweit 200 000 Probanden in die Kohorte eingeschlossen werden, darunter 30 000 Probanden aus der Berliner Region.

Ein weiterer wichtiger Neubau des MDC soll zwischen 2012 und 2014 direkt angrenzend an den ECRC-Komplex entstehen. Er wird das Deutsche Institut für Herz-Kreislaufforschung (DIHK) beherbergen, das sich in ein bundesweites Netzwerk, das „Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung“ (DZHK), integrieren wird, zusammen mit Universitätskliniken und weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Ziel ist es, die Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der HKM-Forschung strategisch zu bündeln, um die Erforschung der Ursachen für kardiovaskuläre Erkrankungen effektiv zu gestalten und die Entwicklung präventiver, diagnostischer und therapeutischer Strategien zu beschleunigen. Das Institut, in dem 250 Menschen arbeiten werden, wird über eine Nutzfläche von 5.000 Quadratmeter verfügen. Die Kosten für den Bau und die Ausstattung mit Geräten werden etwa bei 33 Millionen Euro liegen.

Zwischen MRT-Gebäude und ERC liegt eine Freifläche von rund 3.750 Quadratmeter, die direkt an den Lindenberger Weg grenzt. Hier soll ein neuer Eingang zum Campus entstehen, der als Platz ausgebildet wird. Neben seiner Funktion als kommunikatives Bindeglied zwischen den einzelnen Gebäuden des ECRC öffnet sich der Campus an dieser Stelle zum öffentlichen Raum.

Um künftige Verkehrsströme in den Nordbereich des Campus zu führen, soll eine neue Straße vom Haupteingang Robert-Rössle-Straße über Teilbereiche der alten Industriebahn geführt werden, die in eine neue Campusausfahrt am Lindenberger Weg mündet. Durch die Verlegung und Vereinfachung der Straßenführung werden potenzielle Baufelder gewonnen, auf denen sich derzeit noch Bestandsgebäude befinden (A 9.1, A 12.1, A 12.2 und A 15). Auch die Anbindung des Campus an den öffentlichen Nahverkehr profitiert von der neuen Planung: Die Buslinie kann vom Lindenberger Weg wesentlich direkter und ohne enge Kurven, die die jetzige Buslinie auszeichnen, in die Campusmitte geführt werden.

Die infrastrukturelle Ausgestaltung und Optimierung des Nordbereichs erfordert, Altgebäude abzureißen (z. B. B 58) und technische Knotenpunkte im Campus zu verlegen. Nördlich der Mensa soll daher eine neue Technikzentrale entstehen.

Bauvorhaben im südlichen Campusbereich

Das MDC plant, bis 2013 im Südosten des Campus, auf der Höhe von Haus D 85, ein „In-vivo-Pathophysiologielabor “ (IPL) zu bauen. Das geplante Gebäude wird mit den modernsten Technologien für eine umfassende Analyse des Verhaltens, der Physiologie und der Pathophysiologie von Labortieren (hauptsächlich Nager) ausgestattet. Diese Technologien werden in unmittelbarer Nähe zur Tierhaltung untergebracht, eine Grundvoraussetzung für Langzeitstudien an lebenden Tieren über mehrere Tage und Wochen. Für in vivo-Studien sind im Gebäude Laborflächen von insgesamt ca. 1.000 m2 eingeplant. Die Hauptnutzfläche wird insgesamt 2150 m2 betragen.

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) wird in einen Erweiterungsbau südlich des Haupthauses investieren, dessen Gesamtkosten voraussichtlich bei 15,6 Millionen Euro liegen. Bis 2012 wird die Zahl der Mitarbeiter von derzeit 251 auf mindestens 327 steigen. Zusätzlich benötigt die Abteilung Strukturbiologie des FMP eine vergrößerte NMR-Ausstattung, insbesondere im Hinblick auf die Teilnahme am ESFRI-Projekt (European Strategy Forum on Research Infrastructures) „INSTRUCT“. Daher wird das bestehende NMR-II-Gebäude erweitert.

Das Gebäude C 31.3, eine Technikzentrale zur Versorgung der umstehenden Gebäude mit Energie aus dem Jahr 1980, wird ab April 2010 saniert. Neben der Erneuerung der Anlagen zur Kälteerzeugung wird auch die Gebäudehülle saniert. Zur nachhaltigeren Versorgung mit Wärme- und Elektroenergie wird ein hocheffizientes Blockheizkraftwerk integriert. In direkter Nachbarschaft wird der Neubau eines Infrastrukturzentrums geplant. Dort sollen beispielsweise ein neuer Serverraum und Flächen für die Lagerung von Proben in -80C° Kühlschränken und flüssigem Stickstoff untergebracht werden.

Bauvorhaben im westlichen Campusbereich

Die 26.000 Quadratmeter Labor- und Büroflächen des BiotechParks mit Innovations- und Gründerzentrum (IGZ) sind seit Jahren zu über 85 % an innovative Biotechnologiefirmen vermietet. Einige Unternehmen wie Bavarian Nordic und Glycotope beginnen, aus den Verhältnissen des IGZ herauszuwachsen und melden weiteren Flächenbedarf an. „Wir benötigen größere, flexiblere Flächen für unsere erfolgreichen Firmen. Unsere jetzigen Einheiten sind sehr klein, und die erforderlichen Raumhöhen sind nicht gegeben“, so Dr. Andreas Mätzold, Geschäftsführer der BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch. Die Firmen wollen den Standort nicht verlassen, vor allem, weil sie auf vielfältige Weise in die Kommunikations-, Informations- und Netzwerkstrukturen des Campus eingebunden sind. In den zurückliegenden Monaten gab es zudem Anfragen von Unternehmen für den Erwerb von Braugrund auf dem Campus.

Für die Erweiterung des BiotechParks stehen in einer ersten Ausbaustufe zwei Baufelder in der Größe von 0,8 Hektar (am Eingangsbereich Robert-Rössle-Straße) und 0,4 Hektar (nördlich von Haus D 85) zur Verfügung. Letzteres befindet sich auf dem 3,2 Hektar großen Teilgrundstück, dass der BBB zur Besicherung aufgenommener Kredite zur Errichtung des IGZ treuhänderisch vom Land Berlin übertragen wurde. „Hier werden private Investoren nicht ohne Weiteres bauen können“, so Dr. Mätzold. Dies ist einer der Gründe, warum die BBB mit dem Unternehmenssegment aus dem Campusareal heraustreten möchte: „Derzeit wird die Brunnengalerie als mögliches neues Quartier untersucht. Wir können uns dort eine lockere Bebauung für die Unternehmen, eingebettet in Grün, Wohnen und Gewerbe vorstellen, die eine Brücke zwischen dem Campus und den Hochhäusern von Buch schlägt.“

Städtebauliche und landschaftsarchitektonische Ansprüche

„Der Campus hat einen besonderen Charme, weil er die Entwicklung der Architektur von Forschungsbauten über die Jahrzehnte zeigt“, sagt Architekt Streckwall. Mit der neuen Ausbaustufe sind jedoch die funktionalen, betriebstechnischen und wirtschaftlichen Anforderungen an den Campus gestiegen, und es stellen sich grundsätzliche Fragen nach einer neuen, städtebaulichen und landschaftsarchitektonischen Qualität. Eine Zunahme der baulichen Dichte, die die Vernetzung und Kommunikation fördert, steht scheinbar im Widerspruch zum Bild des weitläufigen Landschaftsparks, der das Image bisher prägte. Soll man künftig ein gemeinsames Zentrum definieren? Welche Ansprüche haben die einzelnen Nutzergruppen an den Campus? Fragen dieser Art sollen durch die geplante Fortschreibung des Campusrahmenplanes beantwortet werden. Er soll ein städtebaulich fundiertes Leitbild entwickeln, die Einzelplanungen zusammenführen und die Bereiche Gestaltung, Bau und Infrastruktur aufeinander abstimmen.

Ausbau und Erneuerung der Infrastruktur

Zu den vordringlichsten, die nächsten Schritte bedingenden Aufgaben zählt die Schaffung einer leistungsfähigen Infrastruktur für den gesamten Campus. Die Kapazität der bisherigen Energieversorgung reicht gerade noch für die Versorgung der neuen MRT-Anlage und das geplante ERC-Gebäude. Für weitere Bauvorhaben wird ein neues Versorgungskonzept benötigt. Andere Versorgungsnetze wie für Trinkwasser oder Heizung sind noch streckenweise zu sanieren; die verkehrliche Anbindung und andere Maßnahmen wurden bereits genannt. Die Kosten für die Anpassung und Erneuerung der Infrastruktur, für die die Campusnutzer die Unterstützung des Landes Berlin benötigen, belaufen sich auf ca. 5,4 Millionen Euro.

Christine Minkewitz

Weitere Informationen:
Ralf Streckwall
E-Mail: streckwall@mdc-berlin.de
Dr. Andreas Mätzold
E-Mail: maetzold@bbb-berlin.de

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